Archiv der Kategorie: Wie es wirklich war

Literaturliste aktualisiert!

Jetzt, wo endlich das Erscheinen von Kaiserkrieger #7 – „Aufgehende Sonne“ – so langsam Realität wird, habe ich die Literaturliste in diesem Blog aktualisiert und zusätzlich alle Werke aufgenommen – jenseits des Internets -, die ich für die Recherche für den neuen Zyklus genutzt habe. Wer sich also selbst ein wenig fortbilden möchte, findet da einige wertvolle Hinweise 🙂

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Wie es wirklich war: Die Maya

Ich habe es ja bereits verraten: der zweite Kaiserkrieger-Zyklus führt uns in die Stadtstaaten der Maya, deren Existenz vom plötzlichen Auftauchen eines U-Bootes der japanischen Marine etwas aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Die Maya sind uns nicht erst seit dem großen 2012-Hype wohlvertraut, immer noch erscheinen in den Medien Berichte über neue Erkenntnisse, wiederentdeckte Städte und Anlagen und neue Deutungen bisher unbekannter Maya-Schriftzeichen. Vieles, was wir über dieses Volk und seine Zivilisation hätten erfahren können, wurde durch die spanischen Eroberer zerstört. Diese kamen zwar sehr viel später, als die Maya-Hochkultur bereits lange vergangen war, aber sie zeigten wenig Interesse an den schriftlichen Aufzeichnungen der Nachfahren der Maya und zerstörten alles, was auf Papier geschrieben stand (von sehr wenigen Ausnahmen einmal abgesehen). Es bleiben also die steinernen Zeugnisse, von denen es glücklicherweise sehr viele gibt.

Lange aber herrschte in Europa ein sehr romantisches Maya-Bild vor: das eines friedlichen Volkes, das sich so weit entwickelt hatte, dass es astronomischen Betrachtungen viel Zeit einräumte und künstlerische Höchstleistungen vollbrachte, eine Zivilisation ohne Krieg und im Einklang mit der Natur. Erst die Entzifferung der Maya-Schrift – von der uns viele Schriftzeichen immer noch in der Bedeutung nicht klar sind – änderte dieses Bild. Die Maya führten in der Tat unentwegt Kriege – die großartigen Stelen, meist zu Ehren der Könige errichtet, berichten vorzugsweise von Feldzügen, Unterwerfungen, Allianzen, dynastischen Hochzeiten und ähnlichen Dingen, nicht zuletzt, um durch Propaganda ein bestimmtes Bild der Herrscher zu zeichnen, die diese Darstellungen in Auftrag gaben. Und im Einklang mit der Natur standen die Maya nur insofern, als dass sie ausgeklügelte Terrassen- und Bewässerungssysteme entwickelten, um den Ernteertrag stetig zu erhöhen und die immer weiter wachsende Bevölkerung in ihren Metropolen ernähren zu können. Dass die Maya-Zivilisationen gegen Ende des ersten Jahrtausends nach Christi alle mehr oder weniger untergegangen waren, hing sicher nicht zuletzt damit zusammen, dass ein eintretender Klimawandel mit der zunehmenden Ausbeutung der Böden einherging und damit den städtischen Hochkulturen die ökonomische Grundlage nahm.

Dabei etablierten die Maya selbst zu ihrer Hochzeit keine richtigen Imperien, obgleich einige der mächtigsten Städte ihrer Zeit durchaus das militärische Potential dafür hätten organisieren können. Es gab so etwas wie Flächenstaaten, meist etabliert von besonders einflussreichen Städten, doch diese waren im Vergleich zu den europäischen Imperien eher klein und hielten sich nicht besonders lange. Macht wurde oft nicht durch direkte Kontrolle ausgeübt, sondern durch ein System von Tributarstädten, die sich formell der Oberhoheit einer Vormacht unterwarfen, jedoch de facto politisch weiterhin autonom agierten – was zu stetig wechselnden Allianzen und allerlei Geschichten von Verrat und Vergeltung führte.

Für die Maya war dabei ganz offensichtlich der spirituelle Aspekt ihres Handelns stets von hoher Bedeutung. Die zahlreichen Sakralbauten und der elaborierte und komplexe Pantheon an Göttern sprechen dafür ebenso wie die große Macht der Priester, deren Rituale und Orakel nicht zuletzt oft ausschlaggebend für den Beginn eines Feldzugs oder dessen Ende waren. Der Wille der Götter, die oft genauso launisch und unberechenbar erschienen wie die alten griechischen Gottheiten, war von entscheidender Bedeutung für das Alltagsleben und der König der Stadt war das zentrale Bindeglied zwischen der irdischen und der göttlichen Welt. Wenn er diese Bindung besonders gut ausfüllte, gab es reichhaltige Ernten und militärische Triumphe. Im übrigen: bei den Maya konnten nicht nur die Männer Herrscher werden. Die Stelen berichten von zahlreichen sehr tatkräftigen, einigen sogar ausgesprochen skrupellosen Maya-Königinnen, die ihren männlichen Amtskollegen an Rücksichtslosigkeit und machtpolitischer Finesse in nichts nach standen.

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Lang und länger

Seit einigen Tagen arbeite ich am neunten Kapitel des vierten Kaiserkrieger-Bandes, und es wird ohne Zweifel das umfangreichste Kapitel des Romans bis jetzt. Es ist immer noch nicht fertig – vielleicht dieses Wochenende -, und ich musste dafür auch erst ein wenig recherchieren, z. B. wie der Meiler eines Köhlers funktionierte und wie das Leben eines Köhlers wohl so war. Eigentlich ein Thema für die Rubrik „Wie es wirklich war“: Der Beruf des Köhlers, den es seit der Antike gegeben hat, muss ein sehr anstrengender und entbehrungsreicher gewesen sein. Die großen Meiler, in denen das Holz zu Kohle gemacht wurde, bedurften der ständigen Aufsicht, und da der Prozess mehrere Tage in Anspruch nahm, mussten Köhler entweder in Schichten arbeiten oder, wenn sie ihre Köhlerei allein betrieben, auf das Schlafen schlicht so weit wie möglich verzichten – mit allen gesundheitlichen Konsequenzen, die sich daraus ergaben. Und dann reichte der Ertrag eines Meilers finanziell gar nicht mal sonderlich weit, so dass man nach einer nur kurzen Pause gleich wieder einen neuen aufschichten musste. Köhler, so vermute ich mal, hatten ein relativ einsames und vor allem vergleichsweise kurzes Leben… ganz im Widerspruch zum Titel dieses Blogeintrages.

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Die Schlacht von Adrianopel

Große militärische Niederlagen hat es in der Geschichte des Römischen Reiches auch zu seiner Blütezeit immer wieder gegeben. Die zweitgrößte Niederlage war dabei nach allgemeinem Dafürhalten die Schlacht von Adrianopel im Jahre 378, in der die Goten, Alanen und Hunnen (damals noch ohne Attila) das gesamte oströmische Heer vernichteten. Diese Schlacht wird gemeinhin als der Beginn der Völkerwanderung gewertet. Der oströmische Kaiser Valens fiel ebenfalls. Da meine Zeitreisenden in exakt diesem Jahr im Mittelmeer auftauchen, ist diese Schlacht natürlich für meinen Romanzyklus von nicht geringem Interesse. Hier gibt es jetzt einen kleinen Ausschnitt aus der Situation kurz vor Beginn der Auseinandersetzung, in dem ein von sich selbst sehr überzeugter oströmischer Kaiser die Hilfe seines weströmischen Amtskollegen ablehnt – ein fataler Fehler, wie sich herausstellen sollte.

Richomer, Ihr seid ein Schwarzseher! Die Orakel irren sich nicht! Der Sieg ist uns gewiss!“

„Wir sollten warten, bis die Verstärkung eintrifft, mein Imperator. Dann können wir sicher sein, dass wir die Oberhand gewinnen werden!“

Valens, Kaiser Ostroms, sah den General misstrauisch an. Der muskulöse Germane mit seiner blank polierten Rüstung machte einen imposanten Eindruck – imposanter als der dickliche Kaiser in seiner Toga, der im Feldherrenzelt auf- und abstolzierte.

„Seid Ihr für mich, Richomer, oder gegen mich?“

„Edler Herr, Ihr kennt die Antwort. Ich habe Rom immer getreulich gedient!“

Valens schnaubte. Er blieb ruckartig stehen, warf die Arme hoch.

„Die Orakel haben mir anderes gesagt. Ich weiß, dass Verschwörungen im Gange sind. Ich weiß noch nicht, wer dahinter steckt, aber ich schwöre, das werde ich früh genug herausfinden.“

Richomer versuchte, sich seinen Unmut möglichst nicht anmerken zu lassen.

„Edle Majestät, Euer Neffe hat mich persönlich beauftragt, Euch bei Euren Vorbereitungen für die Schlacht so gut zu unterstützen, wie dies meinen bescheidenen Fähigkeiten entspricht. An meiner Loyalität zu zweifeln entbehrt jeder Grundlage. Meine Karriere ist frei von jedem Makel und ich bin Offizier, weil ich mich bewährt habe.“

Das war das Maximum, was sich auch jemand wie Richomer an sanfter Kritik leisten konnte. Valens war ein Mensch, der immer unberechenbarer wurde. Je älter der Stiefonkel Gratians, damals noch von Valentinian in sein Amt berufen, jetzt wurde, desto manischer wurde sein paranoiden Misstrauen, sein Vertrauen in die Orakel und immer größer die Furcht vor Umstürzen und Verschwörungen. Es war noch nicht der Cäsarenwahn, in den er sich hineinsteigerte – Valens war trotz seiner Verrücktheiten kein Commodus und kein Nero -, aber es fehlte nicht mehr viel. Die Siege gegen die Goten vor ein paar Jahren, in denen der oströmische Kaiser sich in der Tat als Feldherr ausgezeichnet und die treue Gefolgschaft des Militärs verdient hatte, waren Valens offenbar zu Kopf gestiegen. Seit er den Goten den Übergang über die Donau gestattet und seit seine Untergebenen die Flüchtlinge brutal ausgenutzt und drangsaliert hatten, waren Fritigern und Alarich auf dem Feldzug, und obgleich sie es nicht schafften, befestigte Städte einzunehmen, plünderten sie die ländlichen Gegenden und hatten bisher jede offene Schlacht vermieden.

Der ewige Fluch Roms. Natürlich waren die Schikanen nicht auf Befehl von Valens erfolgt, der ein großes Interesse daran gehabt hatte, den Ansturm der Goten in friedliche Bahnen zu lenken. Aber man konnte sich nicht auf alle Untergebenen verlassen, und das galt sowohl für die zivile wie auch die militärische Verwaltung. So hatten sich die Goten erhoben und einen Krieg begonnen. Und sie hatten sich unter der Führung ihrer Könige Alarich und Fritigern bisher gar nicht dumm dabei angestellt, das war wahrscheinlich das eigentliche Problem.

Hier, vor Adrianopel, sollte sich nach dem Willen Valens‘ das Blatt wenden. Er hatte seine vollständigen Truppen aufgeboten, doch die Goten waren viele.

Sehr viele.

Wie manche meinten, vorsichtig, leise: Zu viele.

Richomer und die anderen Generäle hatten Valens gedrängt, auf jeden Fall die Ankunft der weströmischen Legionen unter Gratian abzuwarten, um gemeinsam gegen die Barbaren antreten zu können. Doch Valens neidete dem jungen weströmischen Kaiser, der in vielem so ganz nach seinem Vater zu kommen schien, seine militärischen Erfolge und hatte sich in die Idee verstiegen, dass er allein die Goten würde schlagen können. Ruhm und Ehre – und seinen vermeintlichen oder tatsächlichen Widersachern zeigen, dass er die Zügel in Ostrom fest in der Hand hielt.

„Wir haben die größte oströmische Streitmacht zusammen gezogen, die es seit vielen Jahren gegeben hat“, rief Valens. „Die Kundschafter haben berichtet, dass die Goten deutlich weniger sind als erwartet! Wir werden sie in alle Winde zerstreuen und ein für allemal schlagen!“

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Wie es wirklich war: Womit die Pfeife füllen…

Wenn man aus der Neuzeit in die Spätantike verschlagen wird, wie es der Mannschaft des Kleinen Kreuzers Saarbrücken in meinem Romanzyklus geschieht, ist man natürlich vielen Herausforderungen ausgesetzt – unter anderem auch relativ banalen. Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass man im Römischen Reich den Kaffee nicht kannte, was sich bestimmt für viele als ernsthaftes Problem herausstellen dürfte. Und ein zweiter Aspekt wird dem Genussmenschen ebenfalls ein Dorn im Auge sein: Der Tabak war gleichfalls unbekannt. Dennoch hat man in der guten alten Zeit durchaus geraucht, und auch der Römer wusste, wie man sich eine Pfeife schnitzt und sie richtig einsetzt – nur füllte man keinen Tabak hinein, sondern oft allerlei Kräuter wie Majoran oder Lattich. Als besondere Spezialität galt jedoch ein anderes Rauchgut: Getrockneter Ochsendung. Oder, anders gesagt, man pflegte Kuhscheiße zu rauchen. Ich bin mir sicher, dass der eine oder andere meiner Zeitreisenden angesichts dieser Umstände eher zum Nichtraucher werden dürfte…

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Wie es wirklich war: Quintus Aurelius Symmachus

In den ersten Bänden des „Kaiserkrieger“-Romanzyklus spielt eine historische Figur eine nicht unbedeutende Rolle: Der Senator Quintus Aurelius Symmachus gehört zu den berühmtesten historischen Gestalten der römischen Spätantike, was sich auf eine Vielzahl an Gründen zurückführen lässt: Da umfassende Teile seiner umfangreichen Korrespondenz überliefert sind, ist sein Lebensweg mit sehr vielen, guten Quellen außerordentlich genau belegt. Sein Eintreten für religiöse Toleranz, die er von den Christen gegenüber der traditionellen römischen Religion forderte, deren Anhänger er war, machte ihn zu einer tragischen Gestalt. Besonders als der Victoria-Altar aus dem römischen Senat entfernt wurde, was als symbolischer Todesstoß für die Traditionsreligion Roms gewertet werden kann, setzte sich Symmachus für eine liberalere Haltung des Staates ein. Dass er dazu vor allem unter Kaiser Theodosius an den Falschen geriet, da dieser sich gerne und aktiv für die Etablierung des Christentums als römische Staatskirche einsetzte, war nicht seine Schuld. Sein Scheitern lag wohl letztlich daran, dass er der Verfechter einer historisch erkennbar überlebten Tradition war, und nicht erkannt hatte, wie sehr er auf verlorenem Posten stritt. Außerdem hatte er der Radikalität (und auch Gewaltbereitschaft) des erstarkenden Christentums außer eigener, wohlfeiler Rhetorik nicht viel entgegen zu setzen. Geholfen hat seinem Ansehen wahrscheinlich auch nicht, dass er nicht immer die geistige Unabhängigkeit unter Beweis stellte, die er von Anderen einforderte; sein unreflektiert erscheinendes Hochjubeln des Kaisers Valentinian I. etwa wird ihm im Nachhinein durchaus zur Last gelegt. Dennoch ist Symmachus als ein Vertreter religiöser Toleranz, geboren aus einem zum Scheitern verurteilten Rückzugsgefecht, sowie als hervorragender Redner und Vertreter der senatorischen Korrespondenzkultur in Erinnerung geblieben. Er steht damit auch in meinen Romanen symbolisch für einen religiösen „Kulturkampf“, in den auch die Protagonisten aus der Zukunft nolens volens hineingezogen werden…

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Auf der Suche nach Saarbrücken…

Eine wichtige Hauptperson meines alternative-history-Zyklus um die Kaiserkrieger ist der Kleine Kreuzer Saarbrücken, ein Schiff der BREMEN-Klasse. Die BREMEN-Klasse hat es natürlich wirklich gegeben, allerdings nicht diesen speziellen Kreuzer mit exakt diesem Namen, er ist eine Erfindung des Autors. Natürlich war es für mich auch von Interesse, herauszufinden, was eigentlich mit der namensgebenden Stadt zu jener Zeit war, zu der die Romane spielen, als im späten 4. Jahrhundert nach Christus. Tatsächlich hat Saarbrücken vor nicht allzu langer Zeit sein 1000. Jubiläum gefeiert, also muss es da ja etwas gegeben haben. Wenn man etwas sehr in die Vergangenheit reichende Heimatforschung betreibt, findet man heraus, dass es hier in der Tat einige interessante Siedlungen gegeben hat… was sich unter anderem auch direkt vor meiner Haustür zeigt, am Namen der Saarbahn-Haltestelle, in deren unmittelbarer Nähe ich mein Büro habe:

roemerkastell

Neben diesem „Römerkastell“ – von dem es leider nichts mehr zu besichtigen gibt – gab es etwas weiter entfernt auch den Vicus Sara, d.h. eine kleine Ortschaft oder Kleinstadt, und unweit dessen, das ist erwähnenswert, den Sommerpalast des Kaisers Valentinian, des Vaters von Gratian, der in meinen Romanen, wie bereits angesprochen, eine besondere Rolle spielt. Wie es scheint, war all dies hier eine eher beschauliche, natürlich agrarisch geprägte Gegend, an der die Geschichte zwar nicht vorbei gegangen ist, die aber offenbar für lange Zeit von den großen historischen Verwerfungen eher verschont geblieben ist. Was aber wichtig ist: In der weiteren Gegend sind frühe Nachweise von Kohleförderung und Eisenverhüttung zu finden – und das wiederum ist für die Bedürfnisse unseres in der Antike gestrandeten Dampfkreuzers durchaus von Bedeutung…

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