Monatsarchiv: Februar 2010

Lektorat & Cover

Es geht voran: Gestern habe ich das Manuskript des ersten „Kaiserkrieger“-Romans vom Verlag aus dem Lektorat bekommen. Beim Atlantis-Verlag wird gründlich lektoriert und man sollte als Autor in der Lage sein, auch Kritik gut zu vertragen, sonst wird man angesichts der vielfarbig eingefärbten Datei eher verzweifeln. Dann stellte sich aber zum Glück heraus, dass viele Fehler entweder aus Schlamperei meinerseits stammen oder gewisse stilistische Angewohnheiten sind, die ich mir nicht abgewöhnen kann (aber sollte). Natürlich gibt es auch richtig harte Sachen, bei denen sich ein Autor auch fragt, was er eigentlich getrunken hat, als er diesen Text verfasste: So wurde bei der Beschreibung einer gut aussehenden jungen Frau, die ich mit „mandelförmigen Augen“ beglücken wollte, durch eine seltsame synaptische Fehlfunktion meinerseits ein „walnussförmige Augen“. Wie soll das denn aussehen? Hat die gute Frau die Nacht durchgemacht? Wie gut, dass es aufmerksame Lektoren gibt, die solche Dinge mit einem großen Fragezeichen versehen.

Ebenfalls in Arbeit ist das Cover des ersten Bandes, es wird gezeichnet von Timo Kümmel. Ich hoffe, hier bald eine erste Version in das Blog stellen zu dürfen.

Advertisements

Kommentare deaktiviert für Lektorat & Cover

Eingeordnet unter Die Romane

Die Schlacht von Adrianopel

Große militärische Niederlagen hat es in der Geschichte des Römischen Reiches auch zu seiner Blütezeit immer wieder gegeben. Die zweitgrößte Niederlage war dabei nach allgemeinem Dafürhalten die Schlacht von Adrianopel im Jahre 378, in der die Goten, Alanen und Hunnen (damals noch ohne Attila) das gesamte oströmische Heer vernichteten. Diese Schlacht wird gemeinhin als der Beginn der Völkerwanderung gewertet. Der oströmische Kaiser Valens fiel ebenfalls. Da meine Zeitreisenden in exakt diesem Jahr im Mittelmeer auftauchen, ist diese Schlacht natürlich für meinen Romanzyklus von nicht geringem Interesse. Hier gibt es jetzt einen kleinen Ausschnitt aus der Situation kurz vor Beginn der Auseinandersetzung, in dem ein von sich selbst sehr überzeugter oströmischer Kaiser die Hilfe seines weströmischen Amtskollegen ablehnt – ein fataler Fehler, wie sich herausstellen sollte.

Richomer, Ihr seid ein Schwarzseher! Die Orakel irren sich nicht! Der Sieg ist uns gewiss!“

„Wir sollten warten, bis die Verstärkung eintrifft, mein Imperator. Dann können wir sicher sein, dass wir die Oberhand gewinnen werden!“

Valens, Kaiser Ostroms, sah den General misstrauisch an. Der muskulöse Germane mit seiner blank polierten Rüstung machte einen imposanten Eindruck – imposanter als der dickliche Kaiser in seiner Toga, der im Feldherrenzelt auf- und abstolzierte.

„Seid Ihr für mich, Richomer, oder gegen mich?“

„Edler Herr, Ihr kennt die Antwort. Ich habe Rom immer getreulich gedient!“

Valens schnaubte. Er blieb ruckartig stehen, warf die Arme hoch.

„Die Orakel haben mir anderes gesagt. Ich weiß, dass Verschwörungen im Gange sind. Ich weiß noch nicht, wer dahinter steckt, aber ich schwöre, das werde ich früh genug herausfinden.“

Richomer versuchte, sich seinen Unmut möglichst nicht anmerken zu lassen.

„Edle Majestät, Euer Neffe hat mich persönlich beauftragt, Euch bei Euren Vorbereitungen für die Schlacht so gut zu unterstützen, wie dies meinen bescheidenen Fähigkeiten entspricht. An meiner Loyalität zu zweifeln entbehrt jeder Grundlage. Meine Karriere ist frei von jedem Makel und ich bin Offizier, weil ich mich bewährt habe.“

Das war das Maximum, was sich auch jemand wie Richomer an sanfter Kritik leisten konnte. Valens war ein Mensch, der immer unberechenbarer wurde. Je älter der Stiefonkel Gratians, damals noch von Valentinian in sein Amt berufen, jetzt wurde, desto manischer wurde sein paranoiden Misstrauen, sein Vertrauen in die Orakel und immer größer die Furcht vor Umstürzen und Verschwörungen. Es war noch nicht der Cäsarenwahn, in den er sich hineinsteigerte – Valens war trotz seiner Verrücktheiten kein Commodus und kein Nero -, aber es fehlte nicht mehr viel. Die Siege gegen die Goten vor ein paar Jahren, in denen der oströmische Kaiser sich in der Tat als Feldherr ausgezeichnet und die treue Gefolgschaft des Militärs verdient hatte, waren Valens offenbar zu Kopf gestiegen. Seit er den Goten den Übergang über die Donau gestattet und seit seine Untergebenen die Flüchtlinge brutal ausgenutzt und drangsaliert hatten, waren Fritigern und Alarich auf dem Feldzug, und obgleich sie es nicht schafften, befestigte Städte einzunehmen, plünderten sie die ländlichen Gegenden und hatten bisher jede offene Schlacht vermieden.

Der ewige Fluch Roms. Natürlich waren die Schikanen nicht auf Befehl von Valens erfolgt, der ein großes Interesse daran gehabt hatte, den Ansturm der Goten in friedliche Bahnen zu lenken. Aber man konnte sich nicht auf alle Untergebenen verlassen, und das galt sowohl für die zivile wie auch die militärische Verwaltung. So hatten sich die Goten erhoben und einen Krieg begonnen. Und sie hatten sich unter der Führung ihrer Könige Alarich und Fritigern bisher gar nicht dumm dabei angestellt, das war wahrscheinlich das eigentliche Problem.

Hier, vor Adrianopel, sollte sich nach dem Willen Valens‘ das Blatt wenden. Er hatte seine vollständigen Truppen aufgeboten, doch die Goten waren viele.

Sehr viele.

Wie manche meinten, vorsichtig, leise: Zu viele.

Richomer und die anderen Generäle hatten Valens gedrängt, auf jeden Fall die Ankunft der weströmischen Legionen unter Gratian abzuwarten, um gemeinsam gegen die Barbaren antreten zu können. Doch Valens neidete dem jungen weströmischen Kaiser, der in vielem so ganz nach seinem Vater zu kommen schien, seine militärischen Erfolge und hatte sich in die Idee verstiegen, dass er allein die Goten würde schlagen können. Ruhm und Ehre – und seinen vermeintlichen oder tatsächlichen Widersachern zeigen, dass er die Zügel in Ostrom fest in der Hand hielt.

„Wir haben die größte oströmische Streitmacht zusammen gezogen, die es seit vielen Jahren gegeben hat“, rief Valens. „Die Kundschafter haben berichtet, dass die Goten deutlich weniger sind als erwartet! Wir werden sie in alle Winde zerstreuen und ein für allemal schlagen!“

Kommentare deaktiviert für Die Schlacht von Adrianopel

Eingeordnet unter Die Romane, Wie es wirklich war