Monatsarchiv: August 2009

1632: Amis in Deutschland, mal anders

Zu den großen alternative-history-Zyklen gehört der „1632“-Romanzyklus des amerikanischen Autoren Eric Flint – und vieler weiterer Autorinnen und Autoren, die mittlerweile daran beteiligt sind. Der stetig wachsende Zyklus geht von einer ebenso einfachen wie skurrilen Prämisse aus: Ein Phänomen sorgt dafür, dass eine amerikanische Kleinstadt inkl. aller Bewohner und Gebäude durch Raum und Zeit im Deutschland des Dreißigjährigen Krieges landet. Wie man sich vorstellen kann, führt das zu erheblichen politischen Verwicklungen, von militärischen einmal ganz zu schweigen.

1632

Nicht in allem ist der Zyklus für den deutschen Leser leicht goutierbar. Der amerikanische Patriotismus, der vor allem in den ersten Bänden manchmal etwas dick aufgetragen wird, gefällt sicher nicht jedem. Aber Flint und seine Kollegen haben sich bei der Recherche sichtlich Mühe gegeben. Es entstand ein sehr stimmiges und in sich logisches Bild dieses alternativen Geschichtsverlaufes. Die zentrale Stärke des Zyklus besteht sicher in seiner oft atemberaubend spannenden Handlung und der Vielzahl liebgewonnener Charaktere, die den Leser begleiten. Leider sind diese Romane zumindest derzeit nicht in deutscher Sprache erhältlich. Sie sind aber jedem Freund spannender und farbenfroher alternative history nur wärmstens ans Herz zu legen, der einigermaßen der englischen Sprache mächtig ist.

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Wie es wirklich war: Das kurze Leben des Kaisers Gratian

In meinen „Kaiserkrieger“-Romanen spielt der römische Kaiser Gratian eine wichtige Rolle. Er spielt, wie es sich für ein alternative-history-Setting gehört, eine andere Rolle als in der historischen Realität. Das ist auch besser so, denn der junge Kaiser hatte eine letztlich eher tragische Lebensgeschichte, die auch noch viel zu früh endete. Flavius Gratianus wurde im Jahre 359 als Sohn von Kaiser Valentinian geboren. Sein Vater war ein extrem tatkräftiger und bei den Streitkräften sehr beliebter Kaiser, der durch rastlose Feldzüge das Römische Reich zu bewahren suchte. Als er überraschend starb, wurde sein Sohn Gratian „richtig“ Kaiser Westroms (er war schon vorher zum Co-Regenten ernannt worden, aber das war mehr eine formale Ernennung gewesen). Er übernahm die Regierungsgeschäfte im Alter von 26 Jahren. Sein Onkel, Valens, war Kaiser im Osten und als dieser bei der berühmten Schlacht von Adrianopel im Jahre 378 fiel, war Gratian für kurze Zeit Gesamtkaiser, bis er Theodosius zum Nachfolger Valens‘ ernannte. Eine lange Regierungszeit blieb Gratian nicht: Er musste sich eines Aufstandes erwehren, wurde von seinen eigenen Truppen verraten und durch eine List während der Flucht in einen Hinterhalt gelockt: Ihm wurde weisgemacht, seine Frau sei in Lebensgefahr und als er seinen Unterschlupf verließ, wurde er gefangen und getötet. Er starb im Jahre 383, im Alter von 34 Jahren. Seine Mörder allerdings hatten an diesem Tun nicht allzu viel Freude, da Theodosius dem Aufstand schließlich ein Ende bereitete, um als historischer letzter gesamtrömischer Kaiser in die Geschichte einzugehen. Gratians größtes Problem war sicher, dass er zeitlebens an seinem beliebten und extrem tatkräftigen Vater gemessen wurde, einem Vorbild, dem er sich mühte nachzueifern, dem er aber auf der anderen Seite aufgrund veränderter Umstände nicht zu entsprechen vermochte.

gratian

Im „Kaiserkrieger“-Zyklus bekommt er ein deutlich sympathischeres Schicksal zugewiesen, zumindest am Anfang…

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