Wie es wirklich war: Der Heiratsdispens

In einer lockeren Abfolge möchte ich in diesem Blog zu meinem „Alternative History“-Sechsteiler immer auch mal wieder einige Aspekte aus der „realen“ Geschichte aufgreifen, die ich für besonders interessant halte oder die manchmal auch etwas skurril anmuten, zumindest aus heutiger Sicht.

Bei  meinen Recherchen über die Kaiserlich-wilhelminische Kriegsmarine, zu der die stählerne Hauptperson des Romanzyklus ja gehört, habe ich mich natürlich auch mit dem Offizierscorps jener Zeit befasst. Ich will dem Nachwort von Band 1 nicht vorweggreifen, in dem ich einige Hinweise dazu gegeben habe, wie ich in einem „Alternative History“-Setting mit historischen Fakten umgegangen bin und wie nicht.

Ein interessantes Detail, das aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar erscheint, ist dabei der sog. „Heiratsdispens“, den kaiserliche Offiziere benötigten, um in den Stand der Ehe eintreten zu dürfen. D.h. der Kaiser musste dem jeweiligen Offizier erlauben, zu heiraten. Welche Kriterien dabei im Einzelnen eine Rolle spielten, ist relativ unwichtig, viel wichtiger ist jedoch, dass sich anhand dieses Verfahrens eine „Zweiklassen-Gesellschaft“ unter den Offizieren zeigte: Die „richtigen“ Offiziere erhielten den Dispens vom Kaiser. Die Marineingenieure hingegen, die zwar dem Range nach Offiziere waren, aber eben auf eine bestimmte Art der Tätigkeit „reduziert“, erhielten ihren Dispens von der vorgesetzten Kommandobehörde und nicht vom Kaiser. Für die Marineingenieure war dies eine klare Herabsetzung, dadurch wurden sie zu „Offizieren 2. Klasse“. Dies führte während der gesamten Geschichte der Marine auch immer wieder zu internen Spannungen und Beschwerden. Schrittweise kam man dem Ansinnen der Ingenieure, gleichgestellt zu werden, immerhin entgegen: So erhielten sie z. B. das Recht, den Offizierssäbel zu tragen, zugesprochen und auch bei gewissen Ritualen, wie etwa der Rangfolge, nach der Offiziere und Marineingenieure ein Beiboot verlassen oder betreten durften/mussten, versuchte man offenbar, der gekränkten Seele zu helfen. Es wird gesagt, dass Wilhelm II., dessen Lieblingskind die Marine ja war, der Forderung der Marineingenieure nach direktem, kaiserlichen Dispens aufgeschlossen gegenüber stand, dass es aber „standesbewusste“ Admiräle der Flottenführung, allen voran Tirpitz, waren, die dem immer einen Stein in den Weg gelegt haben.

Für die „Kaiserkrieger“-Romane ist dieses Detail erst einmal nebensächlich. Ich erwähne es im ersten Band, weil es ein Schlaglicht auf die interne Struktur des Offizierscorps wirft und außerdem dazu dient, meinem Helden, dem 1. Offizier Jan Rheinberg, eine etwas andere oder diese Unterschiede nicht so betonende Haltung einnehmen zu lassen. Sobald man im Rom der Spätantike angekommen ist, das wird die weitere Handlung zeigen, verliert dieses bestimmte Detail schnell an Bedeutung, die Frage aber, wer wen warum ehelichen darf, bekommt besondere Brisanz…

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