Monatsarchiv: Juli 2009

Wie es wirklich war: Der Heiratsdispens

In einer lockeren Abfolge möchte ich in diesem Blog zu meinem „Alternative History“-Sechsteiler immer auch mal wieder einige Aspekte aus der „realen“ Geschichte aufgreifen, die ich für besonders interessant halte oder die manchmal auch etwas skurril anmuten, zumindest aus heutiger Sicht.

Bei  meinen Recherchen über die Kaiserlich-wilhelminische Kriegsmarine, zu der die stählerne Hauptperson des Romanzyklus ja gehört, habe ich mich natürlich auch mit dem Offizierscorps jener Zeit befasst. Ich will dem Nachwort von Band 1 nicht vorweggreifen, in dem ich einige Hinweise dazu gegeben habe, wie ich in einem „Alternative History“-Setting mit historischen Fakten umgegangen bin und wie nicht.

Ein interessantes Detail, das aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar erscheint, ist dabei der sog. „Heiratsdispens“, den kaiserliche Offiziere benötigten, um in den Stand der Ehe eintreten zu dürfen. D.h. der Kaiser musste dem jeweiligen Offizier erlauben, zu heiraten. Welche Kriterien dabei im Einzelnen eine Rolle spielten, ist relativ unwichtig, viel wichtiger ist jedoch, dass sich anhand dieses Verfahrens eine „Zweiklassen-Gesellschaft“ unter den Offizieren zeigte: Die „richtigen“ Offiziere erhielten den Dispens vom Kaiser. Die Marineingenieure hingegen, die zwar dem Range nach Offiziere waren, aber eben auf eine bestimmte Art der Tätigkeit „reduziert“, erhielten ihren Dispens von der vorgesetzten Kommandobehörde und nicht vom Kaiser. Für die Marineingenieure war dies eine klare Herabsetzung, dadurch wurden sie zu „Offizieren 2. Klasse“. Dies führte während der gesamten Geschichte der Marine auch immer wieder zu internen Spannungen und Beschwerden. Schrittweise kam man dem Ansinnen der Ingenieure, gleichgestellt zu werden, immerhin entgegen: So erhielten sie z. B. das Recht, den Offizierssäbel zu tragen, zugesprochen und auch bei gewissen Ritualen, wie etwa der Rangfolge, nach der Offiziere und Marineingenieure ein Beiboot verlassen oder betreten durften/mussten, versuchte man offenbar, der gekränkten Seele zu helfen. Es wird gesagt, dass Wilhelm II., dessen Lieblingskind die Marine ja war, der Forderung der Marineingenieure nach direktem, kaiserlichen Dispens aufgeschlossen gegenüber stand, dass es aber „standesbewusste“ Admiräle der Flottenführung, allen voran Tirpitz, waren, die dem immer einen Stein in den Weg gelegt haben.

Für die „Kaiserkrieger“-Romane ist dieses Detail erst einmal nebensächlich. Ich erwähne es im ersten Band, weil es ein Schlaglicht auf die interne Struktur des Offizierscorps wirft und außerdem dazu dient, meinem Helden, dem 1. Offizier Jan Rheinberg, eine etwas andere oder diese Unterschiede nicht so betonende Haltung einnehmen zu lassen. Sobald man im Rom der Spätantike angekommen ist, das wird die weitere Handlung zeigen, verliert dieses bestimmte Detail schnell an Bedeutung, die Frage aber, wer wen warum ehelichen darf, bekommt besondere Brisanz…

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Alternative History – was ist das?

Der Kaiserkrieger-Sechsteiler gehört zum Genre der „Alternative History“-Romane, einer Unterkategorie der Science Fiction. Doch so einfach es klingt, wenn man das Wort „Kategorie“ in den Mund nimmt, so schwierig ist aber manchmal die Zuordnung. „Alternative history“-Romane – manchmal auch „Parallel History“ genannt – beschreiben eine Geschichte im Rahmen eines alternativen Zeitverlaufs. Ausgelöst wird diese Alternative entweder durch eine Veränderung der Geschichte, die der Autor schlicht postuliert (wie etwa in Robert Sheckleys „The Gate of Worlds“, wo er die Pest fast ganz Europa hinwegraffen lässt, woraufhin das Osmanische Reich den gesamten Kontinent erobert, während die Spanier niemals nach Amerika gelangen und z. B. das Reich der Azteken weiter existiert) oder durch einen äußeren Eingriff wie z. B. eine Zeitreise (wie im 1632-Zyklus von Eric Flint, der damit beginnt, dass eine amerikanische Kleinstadt unserer Zeit im Deutschland des Dreißigjährigen Krieges landet). Ein extrem beliebtes Thema ist, wer könnte es verdenken, die Frage, was geschehen wäre, wenn Deutschland den Zweiten Weltkrieg nicht verloren hätte. Ein Klassiker dieses Themas ist „Vaterland“ von Robert Harris (mit Rutger Hauer in der Hauptrolle auch recht ordentlich verfilmt worden).

In Deutschland ist das Genre der „alternative history“ offenbar bisher nicht halb so beliebt wie in den USA, wo es Autoren gibt, die fast schon nichts anderes mehr schreiben (wie z. B. Harry Turtledove, dessen Werke allerdings nicht ins Deutsche übersetzt werden dürfen). Außer Oliver Henkel, dessen aktueller Roman gerade im Atlantis-Verlag erschienen ist, und Christian von Ditfurth (der sich aber standhaft weigert, als SF-Autor bezeichnet zu werden, als wäre das eine Art schwerwiegende Infektion) fallen zumindest mir spontan keine Namen ein, die sich hier über die Jahre profiliert haben. Andererseits sind in letzter Zeit doch einige Romane „frischer“ Autoren in diesem Subgenre erschienen: Christian Krachts „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“ hat gezeigt, dass die deutschen Literaturredaktionen diesem Genre mit weitgehendem Unverständnis (und Unkenntnis) gegenüber stehen, und mit Siegfried Langers „Alles bleibt anders“ ist ein weiterer Roman aus dem Programm des Atlantis-Verlages zu nennen.

Der Kaiserkrieger-Zyklus bewegt sich somit keinesfalls im „luftleeren Raum“, sondern gehört zu einer großartigen literarischen Tradition, die bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück reicht (L. Sprague de Camps „Lest Darkness Fall“ wird gerne als einer der „Ur-Romane“ des Subgenres bezeichnet). Ich hoffe, dass diese Romane dazu beitragen werden, sie in Deutschland etwas populärer zu machen.

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Fortschritte erkennbar!

Während der Verlag noch mit den Vorbereitungen für den Beginn des Kaiserkrieger-Zyklus im kommenden Jahr beschäftigt ist – das Lektorat der ersten Bände steht noch an, und sehr wichtig: Es muss ein geeigneter Künstler für das Cover gefunden werden, darauf lege ich auch als Autor sehr großen Wert -, sitze ich bereits am dritten Roman der Reihe, der schon weit fortgeschritten ist. Zum Verfassen der Romane benutze ich das Textverarbeitungsprogramm „Papyrus Autor“, das neben einer Reihe interessanter Features unter anderem auch einen Fortschrittsbalken enthält, der sowohl Tages- wie auch Gesamtfortschritt abbildet. Und so sah der Balken gestern aus (kalkuliert übrigens bei einem Tagesziel von 5000 Anschlägen):

400000

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